
- Dr. Marc Zöllner/GF Hoppecke
STW spricht mit Dr. Marc Zöllner/Hoppecke
Energiekonzepte für Flurförderzeuge: Wohin führt die Reise?
Blei-, Gel- oder Litium-Ionen-Batterie, Brennstoffzelle oder ganz andere Konzepte? Wer sich als Betreiber informieren will, stößt abseits der verbrennungsmotorisch angetriebenen Flurförderzeuge schnell auf viele Unsicherheiten.
Klar ist: Der E-Antrieb ist die Zukunft, durchaus bis 10 t Traglast. Welche Technologien eine Rolle spielen und wie sie noch zukunftssicherer werden, wollte STAPLERWORLD von einem Energieprofi wissen und sprach mit Dr. Marc Zöllner, Geschäftsführer der grünen Energiespezialisten aus dem schönen Sauerland.
STW: Die Auguren der Flurförderzeugtechnik sagen dem E-Antrieb eine noch größere Bedeutung als heute zu, wie sehen Sie das?
Dr. M. Z.: Zurzeit haben Dieselstapler weltweit einen höheren Marktanteil. Der Markt für E-Stapler wächst jedoch schneller in den entwickelten Industrieländern. Im Mittelpunkt zukünftiger Antriebskonzepte für Flurförderzeuge stehen die Reduzierung von Verbrauch und Emissionen bei gleichzeitiger Erhöhung von Leistung, Lebensdauer und Wirtschaftlichkeit. Für E-stapler sprechen neben den emissionsfreien Antrieb die positive Energie-Bilanz (Energie-Rückgewinnung) und die deutlich geringere Lärmbelastung.
STW: Derzeit ist die klassische Bleibatterie das Maß aller Dinge, wie schnell werden LI-ON-Batterien im Traktionsbereich kommen, die ja wohl als echte Zukunftsalternative zu bezeichnen sind?
Dr. M. Z.: Die Lithium-Ionen-Batterie wird sich sicher in Nischenanwendungen im FFZ-Markt innerhalb der nächsten 5 Jahre etablieren. Aufgrund der hohen Energiedichte eignet sich diese Technologie für Anwendungen bei denen Gewicht, Bauvolumen und die Schnellladefähigkeit eine wesentliche Rolle spielen, besonders für Kleintraktionsanwendungen bei denen derzeit verschlossene Bleibatterien eingesetzt werden. Allerdings müssen wir hier auch langfristig mit deutlich höheren Kosten rechnen.
STW: Ihr Haus forscht seit Dekaden an unterschiedlichsten Batterien und hat sich nun mit dem Brennstoffzellen-Pilotprojet bei der BASF in Münster hervorgetan, ist die Wasserstoff- oder Methan-Brennstoffzelle eine echte Alternative oder ist sie eine Brückentechnologie?
Dr. M. Z.: Brennstoffzellen sind emissionsfrei und leise. Unser Brennstoffzellen-Batterie-Hybrid-System gestattet erstmalig eine echte Trennung zwischen der Bereitstellung von Energie (Brennstoffzelle zur Versorgung der Grundlastanforderung) und Leistung (Batterie zur Abdeckung hoher Lastspitzen und effiziente Nutzung von Rekuperationsenergie). Durch die Hybridisierung der Brennstoffzelle mit Hochleistungsbatterien werden die Kosten der Brennstoffzelle deutlich verringert, da diese nur zur Abdeckung der Grundlast eingesetzt wird. Die Erprobungsphase bei BASF in Münster läuft positiv. Durch die Evaluierungs- und Systemoptimierungsphasen im Alltagsbetrieb können mögliche Fehlerquellen frühzeitig erkannt und beseitigt werden, um in einem späteren Flottenbetrieb die Markttauglichkeit gewährleisten zu können. Die Wasserstoff-Infrastruktur ist jedoch eine Herausforderung. Jedoch ist an Standorten, an denen Wasserstoff im Produktionsprozess quasi nebenbei anfällt der Einsatz ohne Weiteres schon heute möglich.
STW: Die HF-Ladetechnik ist im Zusammenspiel mit Gel-Batterien und Elektrolytumwälzung derzeit technisch weit führend, dennoch wird „im letzten Moment“ beim FFZ-Verkauf oft hastig ein billiges 50-Hz-Gerät mit „draufgepackt“, wie lässt sich das aus Ihrer Sicht ändern?
Dr. M. Z.: Die Vorteile der HF-Technik sind noch nicht überall bekannt. Sie bietet eine sehr hohe Flexibilität: Ein Ladegerät für alle Batterietypen und –größen sowie Technologien. Der bessere Wirkungsgrad kann den Energieverbrauch um bis zu 30 % senken und die interne Blindstromkompensation unserer HF-Geräte führt zu um 60 % geringeren elektrischen Anschlusskosten im Vergleich zu 50-Hz-Geräten. Eine Amortisation der Investitionsmehrkosten für ein geregeltes HF-Ladegerät wird in der Regel innerhalb eines Jahres erreicht.
STW: Birgt die heutige HF-Technik noch Entwicklungspotentiale oder muss nur noch die Kommunikation Batterie-Ladegerät-Batteriemanagement vereinfacht und gestreamlined werden?
Dr. M. Z.: Der heutige Stand der HF-Technik muss erst mal im Markt etabliert werden. Entwicklungspotentiale bieten sich heute in der Miniaturisierung sowie der Leistungserhöhung. Der Preis wird sicherlich in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen. Heute verdrängen Einphasen-50-Hz-Geräte HF-Geräte. Die Kommunikation zwischen den Ladegeräten und Monitoringssystemen hat primär mit der HF-Technik nichts zu tun. Hier kommt es darauf an, den Kunden mit seinen Anforderungen gerecht zu werden. Dies bedeutet: Sichere und ladegeräteherstellerunabhängige Kommunikation, verständliche und nützliche Informationen bei einer Amortisationsdauer von unter 12 Monaten.
STW: Ihr Haus empfiehlt Betreibern schon vor der Beschaffung eine umfangreiche Energieanalyse durch den Energielieferant, ist das realistisch, schließlich bieten doch auch die großen FFZ-Anbieter umfassendeste Systemberatung an, „wildern“ Sie da nicht im Revier Ihrer Großkunden?
Dr. M. Z.: Die Flurförderzeug-Hersteller bieten Systemberatung im Bereich Material-Handling, Warenbewegung und Logistik an während unsere Analyse darauf abzielt, ein Optimum in der Speicherung, Verbrauch und Erhaltung der mobilen Energie zu erreichen. Darüber hinaus bieten wir Systeme in einem Spektrum an, in dem der Flurförderzeuge-Hersteller sich in der Regel nicht bewegt. Wir sehen unser Angebot als Komplementär zu dem der FFZ-Anbieter. Zahlreiche Projekte werden in Zusammenarbeit abgewickelt.
STW: Trotz modernster Technik spielt die „Komponente Mensch“ eine wichtige Rolle bei der Verfügbarkeit von Batterien, wie weit reichen Ihre Betreibermodelle?
Dr. M. Z.: Wir haben ein Geschäftsmodell definiert - nachhaltige Energielösungen. Verbrauchsabhängige kWh-Abrechnung oder monatliche Flatrate-Modelle bieten höchste Flexibilität. Wir betreiben ebenfalls komplette Ladestationen, zum Teil mit eigenem Personal. In dem Vordergrund stehen Produktivität, Sicherheit, Kostenoptimierung und Benutzerfreundlichkeit für unsere Kunden.
STW: Welche Aktivitäten entfaltet Ihr Haus auf den Märkten Nordamerika und in Fernost und welche Auswirkungen kann das für das Europageschäft heben?
Dr. M. Z.: In China sind wir durch unsere eigene Fertigung in Wuhan Marktführer bei Batterien für Flurförderzeuge. Diese Präsenz erlaubt uns ein zuverlässiger Partner bei europäischen Großkunden und ihren Investitionen in Asien zu sein. Durch eine teilweise andere Technologie und Formaten in Nordamerika haben wir diese Region für FFZ noch im Fokus.
STW: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 5 bis 10 Jahren, erdrückt von um sich greifenden Weltkonzernen oder ein kleiner feiner Anbieter, der die Nähe zum Kunden aufrecht erhält.
Dr. M. Z.: Wir haben eine klar definierte Unternehmensstrategie in der wir uns in den nächsten 5 Jahren als Marktführer für nachhaltige Energielösungen für industrielle Anwendungen in unseren Zielmärkten etablieren wollen. Wir bewegen uns vom Komponenten- zu System- und Energielieferanten. Der Kunde steht bei uns stets im Mittelpunkt unserer Aktivitäten und Überlegungen und wir verstehen uns als Anbieter von kundenindividuellen Energielösungen und als Service-Dienstleister.
Vita Dr. Marc Zoellner
Dr. Marc Zoellner wird im Februar 1966 in Köln geboren. 1986 beginnt er ein Studium der Volks- und Betriebswirtschaftlehre. Nach seinem Examen zum Diplom-Kaufmann promoviert er an der Universität Köln und arbeitet anschließend einige Jahre im Vertriebsbereich eines großen Gabelstaplerherstellers, zuletzt als Vertriebsleiter Deutschland. Zum 1. Juli 1998 wechselt er zu Hoppecke und übernimmt dort die Aufgabe des Leiters Profitcenter (Vertriebsleiters) Motive Power. Zum 1. Januar 2000 wird er zum Geschäftsführer bestellt. Innerhalb der Geschäftsführung ist er schwerpunktmäßig für Vertrieb und Marketing verantwortlich. Seit 1. August 2003 ist er geschäftsführender Gesellschafter.
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