Christof Richter über stabau-Aktivitäten
Galten die Sauerländer bisher als Hersteller exquisiter Anbaugeräte, so waren sie eher zurückhaltend bei Informationen über das Unternehmen, seine Strategie un dessen Produkte. Das hat sich nun erfreulicherweise geändert. Christof Richter leitet das 150-Mitarbeiterunternehmen seit Mitte 2011 und hat der STAPLERWORLD schon vorab (Beitrag folgt in unserer LOGIMAT-AUSGABE 01-2012) schon ein Statement zugesandt, das seine Absichten klar umreisst.
Wachstum im Ausland angestrebt
stabau hat, vor allem im deutschen Markt, nach der Krise eine stärkere Position als vorher. Dazu haben umfassende Maßnahmen beigetragen. Diese Maßnahmen betrafen innerbetriebliche Optimierungen und Umstrukturierungen, von denen vor allem Vertrieb, Auftragszentrum und Fertigung profitierten. Heute ist zu bilanzieren, dass
1. Mehr als 50 Prozent des Umsatzes 2011 mit neuen bzw. grundsätzlich überarbeiteten Produkten erzielt wurde.
2. Aufträge schneller bearbeitet werden, indem Sondergeräte und Standardgeräte separat abgearbeitet werden.
3. die Präsenz des Unternehmens im Markt durch die Ausweitung des Vertriebs deutlich verstärkt wurde.
Rückblickend auf die Jahre 2009 und 2010 erklärt Geschäftsführer Christof Richter: „Unsere 2008 eingeleitete Strategie war und ist erfolgreich. Sie hat in der Krise die Feuertaufe bestanden. Ohne diese Maßnahmen wären wir viel stärker betroffen gewesen. Wir haben viele Veränderungen glücklicher Weise schon sehr früh eingeleitet und damit das Unternehmen für alle Anforderungen gewappnet und zukunftsfähig gemacht.“ Als eine weitere wesentliche Ursache für die jüngsten Erfolge führt Richter an: „Wir haben unsere Struktur in Richtung Team verändert, und sind dadurch noch stärker geworden.“ Die Kompetenz eines jeden Einzelnen könne sich stärker entfalten.“ Zu den Perspektiven 2012 und darüber hinaus sagt Richter: „stabau 2011/2012 ist näher am Markt als je zuvor und bietet modernste Produkte. Unser Umsatz 2011 liegt mit 17 Mio. Euro fast wieder auf dem Niveau von 2008. In Deutschland sind wir hervorragend positioniert, im Ausland sind wir mit der Erschließung der Märkte gut vorangekommen – und noch längst nicht am Ende. Für 2012 sind wir verhalten optimistisch. Der Markt wird keine Sprünge machen, aber stabau wird weiterhin eine sehr gute Rolle spielen.“ Die Innovationsoffensive geht weiter: 2012 sollen die restlichen Produktgruppen technisch übergearbeitet, oder durch Innovationen ersetzt werden.
www.stabau.com
Interview mit Theo Odenthal von HSP

- Theo Odenthal leitet HSP
Hubmast bietet Innovationspotential – wo steht die Hoesch Schwerter Profile GmbH heute?
Fast kein Flurförderzeug ohne Hubmast – paradiesische Zustände also für die wenigen Profilanbieter? Sollte man meinen, ist aber nicht immer so. Über die Zeit nach der Krise, über die Position der weltweit aktiven CALVI-Gruppe in der Zeit nach der Krise und über neue Herausforderungen sprach STAPLERWORLD mit Theo Odenthal, Geschäftsführer der Hoesch-Schwerter Profile seit März 2011.
STW: Können Sie uns einen aktuellen Überblick der CALVI-Gruppe geben?
T. O.: Die Calvi Holding ist ein Verbund von Firmen, die schwerpunktmäßig in Italien, Frankreich, Deutschland und den USA lokalisiert sind. Mit weltweit rd. 1.400 Mitarbeitern erwirtschaftete die Gruppe im Jahr 2010 einen Umsatz von ca. 237 Mio. €.
STW:YWie funktioniert das Zusammenspiel Lift-Tek, Siderval, HSP?
T. O.: Hauptlieferant für Walzprofile bei Lift-Tek Elecar in Italien ist HSP, für Pressprofile das Schwesterwerk Siderval/I. Durch die negativen Wechselkursrelationen €/US gerieten Direktlieferungen in den vergangenen Jahren unter Druck, sodass eine lokale Versorgung von Lift Technologies Inc. in den USA unumgänglich wurde. HSP liefert heute noch Sonderabmessungen, die lokal nicht zu beziehen sind.
STW: Entstehen HSP Nachteile bei anderen Herstellern, weil Lift-Tek als Schwesterunternehmen mit diesen ggfls. im Wettbewerb steht?
T. O.: Lift Technologies Inc. konzentriert sich als Nischenanbieter primär auf den Bau von Sondermasten. Somit kollidieren wir nicht mit den Interessen anderer Kunden. Die Kunden schätzen das Know-how eines spezialisierten Profilherstellers.
STW: Die Wirtschaftskrise hat bei HSP zu gravierenden Änderungen geführt, wie schlank ist das Unternehmen heute?
T. O.: CALVI hat mit der Übernahme (01.01.2006) seine internationale Position weiter ausgebaut. Die Krise in 2009 hat die gesamte Gruppe hart getroffen und eine Restrukturierung aller Bereiche erfordert (darunter der Abbau von ca. 200 Arbeitsplätzen). Zusammen mit einem Bankenkonsortium sind allerdings Rahmenbedingungen geschaffen worden, die auch in Zukunft eine dauerhafte Präsenz im Markt gewährleisten.
STW: Stehen Wettbewerber aus China im Profilmarkt vor der Türe oder haben diese mit dem Heimmarkt genug zu tun?
T. O.: Einige chinesische Hersteller sind bereits in „hoesch-typischen“ Branchen unterwegs. Allerdings kommen die Profile derzeit nur bei lokalen Produkten zum Einsatz. Durch die enorme Lern- aber auch Kopierfähigkeit gehen wir aber davon aus, dass aus diesen Märkten in den nächsten 5 bis 10 Jahren mit zunehmend wachsender Konkurrenz zu rechnen ist.
Insbesondere chinesische Firmen haben bei Massenprodukten Marktanteile im Ausland gewonnen und bauen ihre Position aus (Rohrkupplungen, Laufplattenprofile, Scharniere). Diese Entwicklung bezieht sich aber nicht nur auf Spezialprofile. Auch international operierende Kunden, z.B. Anbaugerätehersteller in China, wie Cascade, Kaup und Bolzoni, haben mit diesen Veränderungen zu kämpfen.
STW: Wo gibt es Potentiale?
T. O.: HSP ist bei der Hubmastprofilfertigung führend. Von unserem jährlichen Umsatz (100 bis 110 Mio. €) kommen rd. 70 % aus der Flurförderzeugindustrie. Wir suchen auch andere Märkte und zeigen der FFZ-Industrie immer wieder neue Ansatzpunkte. So lassen sich beispielsweise durch das sog. SE-|M| Verfahren effektive Wettbewerbsvorteile für den Kunden aufzeigen, die aus deutlich verringerten Kammermaßtoleranzen bei Hubmastprofilen resultieren. Aber auch in anderen Bereichen ergeben sich weitreichende Innovationspotentiale. Aus der Compound-Technologie, bei der Rohre mit zwei unterschiedlichen Werkstoffen im Innen- und Außenbereich homogen hergestellt werden, erwachsen vor allem für die Kraftwerksindustrie erhebliche Kostenvorteile.
STW: Ist Warmwalzen noch das beste Verfahren zur Produktion von Hubgerüst-Profilen?
T. O.: Grundsätzlich ist das Warmwalzverfahren ein zuverlässiges und sicherlich das wirtschaftlichste Verfahren, sobald es sich um größere Mengen handelt. Komplexe Profilformen oder Profile mit besonderen Oberflächeneigenschaften realisieren wir auch mit Warmstrangpressen und Kaltziehen. Eine Innovation im Bereich der Hubmastprofil-Produktion stellt das bereits erwähnte SE-|M| - Verfahren dar. Hierbei handelt es sich um ein Verfahren, bei welchem die zuvor warmgewalzten Profile im Anschluss mit einer Spezialfräse bearbeitet werden. So erreichen wir Kammermaßtoleranzen von 0,2 mm in allen wesentlichen Funktionsflächen. Durch die Entfernung der randentkohlten Schicht arbeiten die Profile nahezu verschleißfrei.
STW: Welche Zusatzleistungen bietet HSP seinen Kunden?
T. O.: Selbstverständlich gehören dem eigentlichen Herstellprozess zahlreiche Schritte der Weiterverarbeitung an, wie das Richten, Strecken, Drehen oder Fräsen der Profile. Zusätzlich bieten wir Oberflächenveredelung, Wärmebehandlung und Weiterverarbeitung in verschiedensten Bereichen (Bohren, Gewindeschneiden, UP-Schweißen) an. Nach Kundenwünschen liefern wir unsere Profile auf Fixlängen gesägt, strahlentzundert oder gebeizt. Darüber hinaus ermöglichen wir auch das Induktivhärten von Rollenlaufflächen für Radarme bei Schubmaststaplern.
STW: Wie entwickeln ich die Märkte für die Fördertechnik-Profile?
T. O.: HSP sieht den Markt für Gabelstapler in Deutschland und Westeuropa nahe dem Sättigungspunkt. Dagegen bestehen in Osteuropa (besonders in Russland) noch Potentiale. Die USA stagnieren. Zudem erscheint aufgrund des hohen Mechanisierungsgrades in Nordamerika ein Wachstum nur noch in kleinen Schritten realistisch. In Asien sehen wir hauptsächlich für China mittelfristig das größte Wachstumspotential, gefolgt von Indien. In diesen Ländern dürfte der Bedarf an Profilen in den nächsten 5 bis 10 Jahren um 10 bis 20 %/a wachsen. Ob, und mit wie viel Prozent sich westliche Profilhersteller daran beteiligen werden können, kann man derzeit nur schwer beurteilen. Primär können wir mittelfristig nur am steigenden Exportanteil der chinesischen Hersteller partizipieren, da die importierten Profile deutlich teurer sind als die der lokalen Anbieter.
STW: Wie wichtig wird der südamerikanische Markt, haben deutsche Halbzeuge beim Import es leichter als komplette Maschinen, die mit hohen Strafzöllen belegt sind?
T. O.: Alle Marktführer investieren in Südamerika, wir beliefern einige lokale Flurförderzeughersteller. Der Anteil war aber in der Vergangenheit vor allem aufgrund von Einfuhrrestriktionen gering. Grundsätzlich bleibt der südamerikanische Markt interessant, da für Großereignisse, nämlich die Fußball WM 2014 und die olympischen Spiele 2016, größere Investitionen anstehen und damit vor allem auch logistische Herausforderungen zu meistern sind.
Bilder: HSP
Weitere Informationen: Hoesch Schwerter Profile GmbH, 58239 Schwerte, Tel.: 0 23 04 – 106-0, www.hoesch-profile.com
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